Hagen Rether propagiert den EUSA-Stellvertreter-Krieg der Ukraine gegen Russland & verschweigt die Ermordung der Palästinenser & ihre Vertreibung aus dem eigenen Land

Ja, es stimmt, dass viele Menschen jüdischen Glaubens sich in Deutschland nicht mehr wohl und sicher fühlen und eher auswandern wollen. Das ist schlimm, und wir müssen uns gegen deren Bedrohung wehren. Schlimm ist es allerdings auch, dass Hagen Rether keine Silbe gegen die Bombardierung des Gaza-Streifens und Syriens und des Libanon durch die israelische Luftwaffe, die Besatzung Gazas, des Westjordanlandes und der Golanhöhen durch die Armee verliert. Dort wollen Millionen nicht auswandern, sie werden zur Auswanderung gezwungen, sollen „umgesiedelt“ werden. Hunderttausende wurden ermordet, vertrieben. Wer es nicht glaubt, der kann sich gerne einen Mitschnitt der Veranstaltung anhören

Hagen Rether nimmt die GRÜNEN gegen den Vorwurf der Kriegstreiberei in Schutz, und versucht damit vergessen zu machen, dass es den GRÜNEN zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg gelang zusammen mit der SPD Deutschland in einen Angriffskrieg, den gegen Jugoslawien zu bringen, angeblich „um eine zweites Auschwitz zu verhindern“ (Joschka Fischer & Rudolf Scharping).

In Hanau berichtete Hagen Rether von einem Zwischenruf bei einer vorherigen „Liebe“s-Aufführung, in dem eine Frau Habeck als Kriegstreiber angriff. Rether reagierte unbeirrt „witzig“: „Guten Abend, Frau Wagenknecht! Schön, dass Sie da sind!“. Mit einem billigen Kalauer wischte Rether den Fakt vom Tisch, dass das Duo Habeck und Baerbock den selbstzerstörerischen Endsiegs-Albtraum der ukrainischen Nazis vom „Kampf bis zum letzten Mann“ noch offensiver mit Propaganda & Waffenlieferungen verlängerten als Olaf Scholz & Christian Lindner zusammen. Dass mindestens ein Drittel der Bevölkerung der Ukraine sich seit 2014 in ihrem Land nicht mehr wohl und sicher fühlte, weil ihre Sprache, ihre Parteien, ihre Kirchen verboten und sie zu Tausenden umgebracht und vertrieben wurden, das spielt für Hagen Rether ebenso wenig eine Rolle wie die Nazi-Unterstützung durch die GRÜNEN-nahe „Heinrich-Böll-Stiftung“. Von der Rolle der Konrad-Adenauer-, der Friedrich-Ebert- und der Friedrich-Naumann-Stiftung will ich hier erst genau so wenig anfangen zu berichten wie zur Rolle des BND in der Ukraine.

Vor der nächsten Retherschen „Liebe“s-Erklärung sollte der Hagen ein paar Gedichte von Erich Fried lesen, (es muss ja nicht gleich Mahmud Darwisch sein!) ein paar Seiten Emil Carlebach & Reuven Moskowitz, von Abi Melzer, Evelyn Hecht-Galinski, Heinz Galinski, Rolf Verleger … und vielleicht ein paar Nachhilfestunden in politischer Ökonomie nehmen, dann wird er merken, dass das Kapitalgesetz nicht the world go round makes, aber doch die „gottgemachte“ Erderwärmung nicht ganz unerheblich beschleunigt. Und dagegen helfen „Urban Gardening“ & ein paar „Bienen-Hotels“ etwas zu wenig.

Aber dann hat der Hagen Rether doch wieder Recht: ökologische Kajüten in der Titanic verbessern das „Feeling“ beim Untergang ebenso wie „Vegane Speisekarten im ICE-Bistro“ oder Demonstrationen gegen den Mainstream auf einem Luxusdampfer Rhein-abwärts.

Die zu Recht gescholtenen „Großagrarier“ spritzen ihre Felder nicht aus „Liebe“ mit Bayer-Monsanto-Giften und anderen Krebsbringern oder versorgen uns mit Antibiotika bis zur Resistenz mit Produkten aus Massentierhaltung … sie tun es unter Sachzwang zur Bedienung ihrer Kreditgeber-Banken.

Die Plastikflaschen-Deckel-Anbindungspflicht verhindert zwar das Untergehen der Einwegflaschen bis zur Deckelzersetzung, aber auch die so geretteten Flaschenpost-Sendungen erhöhen letztlich den Microplastik-Segen der Weltmeere und der Muttermilch. Diese Bindungen kosten dem Herrn Kaput-Baal nicht Mal ein Arschrunzeln. Mit Bindung oder ohne, ihn interessiert das nicht die Bohne. Sein PET ist nicht das Microplastik, er lässt es nicht aus „Liebe“ machen. Der arme leidet unter Renditenzwang.

Wir werden auch nicht aus „Liebe“ in Massenmenschhaltung zur Lohnsklaverei und/oder zur Bettelarmut gezwungen und müssen für unsere zu engen Ställe auch noch ständig steigende Miete bezahlen und das vergiftete Zeug fressen, zu dessen Herstellung man uns zwingt.

Ach ja, Hagen Rether beschuldigte den von den islamistischen Terrorbanden gestürzten syrischen Präsidenten Assad, er habe sein Volk abgeschlachtet. Dass die CIA-geförderten IS-Banditen große Teile Syriens in Schutt und Asche gelegt, Tausende von Zivilisten ermordet haben und dass wiederum Hunderttausende aus Angst vor ihnen und wegen der durch westliche Sanktionen verursachten Armut das Land verlassen mussten und dann hier wieder auf ihre durch Heiko Maas über Israel nach Deutschland geholten Killer, Vergewaltiger & Folterer trafen (u.a. auf die Sanitöter der „White Helmets“), davon bei Rether keine Silbe. Auch nicht davon, dass Assad mit breitester Zustimmung die Verfassung reformiert und mit ihr das friedliche Zusammenleben im Vielvölkerstaat mit einer großen Vielfalt von Religionsgemeinschaften garantiert hat. Dass sich der Werte-Westen und seine Geheimdienste bis 2012 zum Beginn seiner Interventionen und Sanktionen der alten Geheimdienst-Strukturen bediente, um (auch vermeintliche) politische Gegner zu verschleppen und zu foltern (unter der deutschen geheimdienstlichen Oberaufsicht durch Kanzleramtsminister Walter Steinmeier nicht nur im Fall Kurnaz), davon ist bei Rether keine Rede. Na ja, man kann ja auch nicht an einem Abend alles ….

Aber für die Bemerkung, dass Assad sein Volk abgeschlachtet hat … dafür ist gerade noch Zeit genug .. reicht ja auch für die Feindbildung. Und zu Putin? Und zu den „Corona-Leugnern“? Na ja, man kann ja nicht in einem Beitrag alles …-.

Und digital geht so was schon gar nicht. Wir sollten uns Mal analog & dialog statt monolog.

Nicht verschweigen will ich dabei auch, dass es zwischen Hagen Rether nicht wenig Übereinstimmung mit Sarah Wagenknecht gibt: Assad, als blutiger Diktator, Putin, der Angriffskrieger, der Terror der Hamas, Groß-Israel als Staatsraison, die Brandmauer, über die alle nach drüben gehen sollen, die mit AfD-Wählern diskutieren, also mit Ungeister-Wählern oder auf besser-Deutsch Falsch-Wählern, oder sind es Fake-Wähler?

Ja, ja ich weiß, wenn der Hagen Rether das alles so in Klartext bringen würde, dann bliebe seine „Liebe“ auf der Strecke der Hiebe der Zensur. Und wir könnten nicht Mal mehr über seine dollsten Kalauer lachen.

Etwas von dem israelischen Terror, den Hagen Rether völlig unterschlagen hat, kann man bei medico international lesen, auch, wenn es nur ein bitterer Vorgeschmack dessen ist, was die Regierung Netanjahu zur zeit an Kriegsverbrechen begeht:

Enteignung, Zerstörung, Vertreibung, illegale Besiedlung – wie Israel Palästina ausradiert

Dass Israel Gaza unendlich bombardiert, systematisch die Infrastruktur zerstört und dabei besonders gerne EU-finanzierte Schulen und medizinische Zentren, ist weitgehend bekannt. Weniger bekannt ist die Vorbereitung der kompletten Annexion des Westjordanlandes. Die geschieht auch mit der gezielt betriebenen illegalen israelischen Siedlungspolitik, mit der die Palästinenser zur Minderheit im eigenen Land gemacht werden und so auch eine „Volksabstimmung“ über den Anschluss des Westjordanlandes an Israel gewonnen werden könnte.

Der Vorteil der völligen Entvölkerung und Ausradierung des palästinensischen Gaza-Streifens hätte für Israel auch noch den Vorteil, dass damit die Erdgasfelder auf dem palästinensischen Festlandsockel und innerhalb der 30 Meilen palästinensischen Hoheitsgewässers auch „juristisch einwandfrei israelisch“ würden.

Wo derzeit der Aufruf zum Boykott gegen als israelisch deklarierte Waren aus den besetzten Gebieten als angeblich antisemitisch erklärt und administrativ bekämpft wird (diese den EU-Bestimmungen widersprechende Falsch-Deklaration verleugnet die Existenz Palästinas, die Tatsache der Besetzung und illegalen Besiedlung und bringt den Unternehmen mit Zoll- und Steuervorteilen in der EU noch Extraprofit und der EU Einnahmeverluste), ist es höchste Zeit, um über diese israelischen Menschen- & Völkerrechtsverletzungen zu berichten.

(Nur so Mal nebenbei: vor der Volksabstimmung für den Anschluss der Krim an die russischen Föderation hat es keine Vertreibung der pro-Nato und pro-EU eingestellten Bevölkerungsteile gegeben :-0))))

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Unterstützerinnen und Freunde,

heute teile ich gerne die Beobachtungen meiner Kollegin Mariam Puvogel, die seit diesem Jahr das medico-Büro Israel/Palästina vor Ort leitet. Sie sprach mit von Siedlergewalt betroffenen palästinensischen Bauern in der Nähe von Nablus und berichtet nicht nur über die Erfahrungen vor Ort, sondern fasst auch die Analyse der medico-Partnerorganisation Union of Agricultural Work Committees über die Auswirkungen der Osloer Abkommen kurz zusammen.

Ich wünsche eine spannende Lektüre und freue mich, wenn Sie den Beitrag unter Angabe der Quelle weiter verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Riad Othman

Nahostreferent / Near East Coordinator

medico international e.V.

Phone +49 (0)176 5776 1601

Skype medico.riad

www.medico.de

„Die agieren hier straffrei“

Mit der Überschrift waren ganz sicher nicht diese Menschen gemeint, die auch im www.medico.de – Blog direkt unter der Headline gezeigt werden. Hier wird nachgepflanzt, um Verluste der Bauern im Westjordanland auszugleichen. (Foto: UAWC)

Angesichts von Siedlergewalt und fortschreitender Enteignung unterstützt medico den zivilen Widerstand gegen die Besatzung im Westjordanland. Von Mariam Puvogel

In Israel wurde gestern das Parlament neu gewählt. Benjamin Netanjahu drohte im Falle seiner Wiederwahl mit der Annexion des Jordantals. Ein souveränes Palästina wäre damit endgültig verunmöglicht. Mariam Puvogel, medico-Büroleiterin Israel und Palästina, beschreibt den schon jetzt unzumutbaren Alltag palästinensischer Bauern im Westjordanland.

Es ist erst Anfang Juni, aber schon jetzt liegt eine drückende Sommerhitze auf Ramallah, als wir ins Auto steigen, um gemeinsam mit unseren Partnern von der Bauernorganisation Union of Agricultural Work Committees (UAWC) in den Süden von Nablus zu fahren. Die langjährige medico-Partnerorganisation gründete sich in den 1980er Jahren, um für die Rechte palästinensischer Bauern- und Hirtengemeinden einzutreten. Unsere Fahrt heute ist ein Solidaritätsbesuch bei den dortigen Gemeinden, denn in den letzten Wochen haben Siedler in mehreren Fällen Brandstiftung in Olivenhainen und auf Feldern palästinensischer Kleinbauern begangen. Von den Vorfällen erfuhren wir durch die israelische Journalistin Amira Hass, die seit über zehn Jahren in der Westbank lebt und dem medico-Büro in Ramallah ebenso lange verbunden ist.

Eine gute Stunde später stehen wir zwischen Ramallah und Nablus in dem kleinen Dorf Jalud auf verbrannten Feldern, die sich über die Hänge erstrecken und ein Bild der Zerstörung bieten. Mahmoud Fawzi steht auf der verkohlten Erde seiner Felder, beißender Rauchgeruch hängt in der Luft. Der junge Mann steht vor den Trümmern seiner Existenz, die buchstäblich in Flammen aufgegangen ist. Seit bald 20 Jahren hat ihn sein Land vor allem wegen des routinemäßigen Vandalismus der israelischen Siedler nur Geld gekostet. Dieses Mal ist es besonders schlimm, mehr als 90% seiner Bäume wurden verbrannt.

Trotzdem ist er bemüht, sich die Verzweiflung gegenüber uns, den Gästen, nicht anmerken zu lassen. Bei Wassermelone und Tee berichten Mahmoud und sein Bruder von den Ereignissen. „Vor wenigen Tagen kamen vermummte Männer aus Adei-Ad ins Dorf und steckten die Felder in Brand. Mehrere hundert Olivenbäume wurden verbrannt, viele davon mehr als 70 Jahre alt. Seit den letzten Anschlägen 2013 haben wir Kameras am Schulgebäude, das am Ortsrand liegt. Auf den Aufnahmen ist alles zu sehen, selbst woher sie kamen.“ Die Aufzeichnung zeigt Männer mit Skimasken, die laut Mahmoud aus der Richtung der genannten Siedlung bzw. des Außenpostens kommen. Die Brandstifter gehen systematisch vor: Innerhalb einer Nacht geht ein Großteil der gesamten Bäume des Dorfes sowie einige Getreidefelder in Flammen auf.

Institutionalisierte Straffreiheit

In einem Land mit einem anderen Rechtssystem wären die Aufnahmen trotz der vermummten Gesichter wahrscheinlich ein wichtiges Indiz. In der Westbank sind die Bauern jedoch nicht Bürger eines Staates mit allen dazugehörenden Rechten. Als Bewohner eines seit über 50 Jahren besetzten Gebietes unterliegen sie der israelischen Militärgerichtsbarkeit, im Gegensatz zu den Siedlern, für die als israelische Bürger auch in den besetzten Gebieten die israelische Polizei zuständig ist. Um eine Anzeige gegen Siedler zu erstatten, müssten palästinensische Bauern also in eine Siedlung fahren, um die dortige Polizeiwache aufsuchen.

Wie diese kafkaesk anmutenden Rahmenbedingungen Realitäten produzieren, in denen bei Siedlergewalt fast nie Recht gesprochen wird, spiegelt sich auch in den Statistiken etablierter Menschenrechtsorganisationen wider. Die israelischen Organisation Yesh Din wertete von 2005 bis 2017 insgesamt über 1.200 Fälle aus, in denen PalästinenserInnen SiedlerInnen wegen physischer Gewalt oder Raub und Beschädigung ihres Eigentums angezeigt hatten. Dabei stellte sich heraus, dass nur 3 Prozent aller Anzeigen zu einem Schuldspruch führten.

Das institutionalisierte System der Straffreiheit für die BürgerInnen Israels in den besetzten Gebieten führt dazu, dass trotz der kontinuierlichen und massiven Übergriffe auf Bauern und Hirten diese immer weniger versuchen, Anzeigen zu erstatten. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch Mahmoud und sein Bruder kaum Hoffnung haben, vor Gericht Gerechtigkeit zu erlangen. Resigniert zeigt Mahmoud in Richtung des Außenpostens Adei-Ad: „Die versuchen uns fertig zu machen und agieren dabei straffrei. Es reicht nicht, dass sie ihre Siedlung und deren Felder illegal auf palästinensischem Besitz gebaut haben. Sie versuchen, sich immer mehr Land zu nehmen. Wir sind dabei nur ein Störfaktor, der verschwinden soll. Und egal was hier passiert, für die internationale Gemeinschaft ist das kein großes Thema mehr. In manchen Siedlungen vermieten sie sogar Zimmer über Airbnb. Was sind das für Leute, die auf geraubtem Land Urlaub machen?“

Das Problem der Siedlergewalt in Jalud und anderen Dörfern der Westbank ist nicht nur als Akt isoliertes Agieren einiger fundamentalistischer Hardliner zu begreifen. Die Gewalt ist Teil eines weiter gefassten systemischen Problems, weil das Siedlungsprojekt mit übergeordneten staatlichen Interessen übereinstimmt, wie sie sich in der von Benjamin Netanjahu angekündigten Annexion des Jordantals widerspiegeln.

Die Kontrolle über das Land und den Zugang zu Ressourcen, um es bewirtschaften zu können, ist ein zentraler Aspekt des asymmetrischen Konflikts in den besetzten Gebieten, in dem die lokale Bevölkerung dem israelischen Militär und den von ihm unterstützten SiedlerInnen fast machtlos gegenübersteht.

„Wieder unabhängig von der Besatzung werden“

Zurück in Ramallah sitzen wir im Büro von UAWC und erörtern Möglichkeiten der Unterstützung der Bauern und Hirten in der Region Nablus, die regelmäßig von Brandstiftung und gewalttätigen Angriffen durch Siedler betroffen sind. medico unterstützt die Familien in den Gemeinden dabei, im kommenden Jahr neu zu pflanzen. Zugleich ist aber auch klar, dass die Betroffenen nicht noch drei Jahre warten können – so lange würde es dauern, bis neue Bäume die erste Ernte abwerfen würden. Darum beschließen wir, ab Herbst mit sog. „inter-cropping“ zu beginnen, ein Prozess, in dem zwischen den Bäumen bereits bestimmte Getreide- und Gemüsesorten angebaut werden können. So wird der Boden rehabilitiert und gleichzeitig ein Beitrag zur Existenzsicherung geleistet. Dafür werden die Bauern im Oktober mit Saatgut aus der Saatgut-Bank von UAWC in Hebron versorgt, in der nur lokale, von Pestiziden unabhängige Samen gezüchtet werden.

Neben den konkreten Schritten, die es nun einzuleiten gilt, sprechen wir auch über die sozio-ökonomischen Verhältnisse, in denen sich die Gewalt abspielt. Denn in den über 50 Jahren militärischer Besatzung entwickelte sich die Wirtschaft in der Westbank zu einem sogenannten ‚captive market‘, einem gekaperten Markt. Seit Beginn der Besatzung 1967 wurden alle wirtschaftlichen Aktivitäten der PalästinenserInnen der israelischen Militärverwaltung unterstellt, jede wirtschaftliche Tätigkeit erfordert seitdem deren Genehmigung. Zudem müssen alle palästinensischen Ex- und Importe über die israelisch kontrollierten Grenzen abgewickelt werden. Durch den Anteil der dazu notwendigen israelischen Firmen als Mittler in jedem Handel, verringert sich der ohnehin geringe Gewinn der lokalen Unternehmen. In den Pariser Protokollen, die als Teil der Osloer Abkommen Mitte der 1990er Jahre unterzeichnet wurden, wurde die faktisch bereits bestehende Abhängigkeit der palästinensischen Wirtschaft weiter festgeschrieben. Der Zugang zu den Märkten ist nur einseitig de-reguliert. Während israelische Waren palästinensische Ladenregale überschwemmen, finden sich in israelischen Supermärkten kaum palästinensische Produkte.

Moayyad Bsharat, einer der Projektkoordinatoren von UAWC, macht aber noch auf einen anderen, wesentlichen Aspekt der palästinensischen Alltagsrealität aufmerksam: Das Bezeichnende ist auch, dass durch die jahrzehntelange Besatzung nicht nur jeder Bereich der Wirtschaft kontrolliert wird, sondern die Mentalität in Teilen unserer Gesellschaft geformt wurde. Für viele der neuen Eliten, die durch die Neoliberalisierung der besetzten Gebiete im Zuge des Oslo-Regimes wurden, sind israelische Produkte zum Statussymbol geworden. Die palästinensischen Bauern leiden so nicht nur unter dem verzerrtem Wettbewerb, sondern auch unter dem Problem, dass ihre Waren von einem Teil der Gesellschaft als im Vergleich minderwertig wahrgenommen werden.“ Neben den neuen Eliten, die aus Image-Gründen israelische Gemüse- oder Milchprodukte kaufen, gibt es diejenigen, die sich aus finanzieller Not oder schlichtweg aus Gleichgültigkeit für billigere israelische Varianten entscheiden. Denn nach 70 Jahren Vertreibung und Unterdrückung ist in weiten Teilen auch eine Tendenz zur Apathie und De-Politisierung in der palästinensischen Gesellschaft zu spüren.“

Dies zu ändern und das gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedeutung und das Potential von Konsumentscheidungen zu stärken ist Ziel der Aufklärungsarbeit, die UAWC in Schulen und Gemeinden betreibt. Die Botschaft dabei ist: Den überschaubaren, aber wachsenden Markt lokaler, biologisch wirtschaftender Initiativen zu stärken, unterstützt nicht nur konkret die palästinensische Landwirtschaft. Es ist auch ein Beitrag zur Unabhängigkeit von der Besatzung.

Diese Sichtweise spiegelt sich auch im Bewusstsein der jüngeren Generation palästinensischer AktivistInnen, die Landwirtschaft zunehmend als Teil von zivilgesellschaftlichem Widerstand betrachtet. Yara, die als Teil des Kollektivs „Om Soleiman Farm“ im Dorf Bil‘in biologische Landwirtschaft betreibt, beschreibt dies mit den Worten„Die traurige Wahrheit ist, dass mehr als ein halbes Jahrhundert Kolonialisierung und Besatzung uns komplett abhängig gemacht hat. Wir wären momentan nicht in der Lage, ab morgen wieder frei zu sein. Uns unabhängig zu machen, uns selbst ernähren zu können, ist deshalb ökonomisch, aber auch psychologisch von zentraler Bedeutung.“

Veröffentlicht am 16. September 2019 auf www.medico.de

Vittorio Arrigoni lebt – solange wir nicht aufgeben

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Doku: Vittorio Arrigoni kurz vor seiner Ermordung durch ein israelisches Spezialkommando in GAZA

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“Der Tag an dem ich Brecht kennengelernt habe” (Vittorio Arrigoni)

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“Der Tag an dem ich Brecht kennengelernt habe” (Vittorio Arrigoni) (((Naja, der Italiener übertreibt gerne Mal ein Wenig)))

“Vittorios Reise” – Vittorio Arrigonis Mutter über das Leben ihres ermordeten Sohnes /HaBE keinen Nachruf geschrieben

https://www.barth-engelbart.de/?p=7258

Vittorio Arrigoni entführt und ermordet – von angeblichen “militanten Islamisten” – erst Juliano Mer Khamis, jetzt Vittorio Arrigoni, wann wird Barenboim von “Islamisten” erschossen ?

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Autor: Hartmut Barth-Engelbart

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